IN PETROL WE BELIEVE
Written by peteionian   
Sunday, 27 December 2009 21:30

Unsere Gier nach Öl.

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Comodoro Rivadavia ist ein Denkmal der Mobilitätsgesellschaft. Die Stadt versinnbildlicht unsere rücksichtslose Ausbeute und alle damit einhergehenden Risiken und Nebenwirkungen. Die Stadt ist teuer, ungemütlich, schmutzig, hat nichts zu bieten und stinkt nach Benzin. Trotzdem singt das hiesige Tourismusbüro ein Loblied auf diesen Industrieauswuchs.

Die Küstenlage und die umliegenden Hügel wären eigentlich eine Schatzkammer. Im angrenzenden Meer könnte das Leben blühen. Leider hat es sich anders ergeben. Die größte Stadt der Provinz Chubut hat nämlich einen anderen Schatz gehoben. Und sie wächst. Immer mehr Menschen strömen hierher obwohl alles überteuert scheint. Seit der Krise in den USA geht das Geschäft mit dem schwarzen Gold wieder gut. Und das Öl ist auch der Nährboden dieser Stadt.

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Der Hafen diente einst militärischen Zwecken. Hier wurde im Herzen der rauhen patagonischen Landschaft angelegt, um die indigenen Ureinwohner zu unterwerfen. Ein strategischer Ausgangspunkt der Ausbeutung. Mensch und Mutter Natur. Schon nach kurzer Zeit wurden die Bodenschätze gefunden. Seither wächst die Stadt neben den Erdölpumpen. Hier werden drei viertel des Argentinischen Treibstoffs geschürft und verarbeitet. Ständig fährt irgendein Tankwagen vorbei und die Luft ist mit Benzin getränkt. Willkommen im "Capital National del Petróleo".

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Hier findet man ein Museo del Petróleo. Die Geschichte der Stadt ist eine Geschichte des Erdöls. Im Museum beginnt diese Geschichte mit dem Urknall und der Evolution des Lebens. Die Ausbeutung wird nur mit dem Auge des Fortschritts betrachtet. An den Wänden hängt die Ahnengallerie der Hombres del Petróleo, die wie Helden gerahmt wurden. Kein einziges kritisches Wort. Schulklassenweise lernen hier Heranwachsende, wie wir die Ressourcen unserer Mutter Erde möglichst effizient anzapfen und aussaugen.

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Ironischer Weise trohnen ausgerechnet über der Petrol City mehrere Windkraftwerke. Man will glauben, dass das ein Tropfen auf dem heißen Stein sei. Vielleicht ist es aber nur Kompensation des schlechten Gewissens. Der Parque Eólico ist mit 26 Windkraftwerken der größte Argentiniens und der zweitgrößte des Kontinents. Taxifahrer Diego hat 20 lange Jahre fürs Erdöl gearbeitet. Er lüftet das Geheimnis. Die Ölvorkommen hier sind pechschwarz und unrein. Hier muss im Gegensatz zu anderen Schürfstaaten ständig gepumpt werden, was natürlich sehr viel Energie benötigt. Obwohl beteuert wird, dass die Energie der Windkraftwerke der Stadt zugute kommt, schleichen sich Zweifel ein. Diego versichert, dass die Bevölkerung nie über die groß beworbenen Alternativen Energien informiert wurde. Und auch keine Vorteile daraus zieht, weder finanziell noch moralisch. Diego hat wieder mal die Antwort. Das Problem sei die Korruption. Das seien alles Diebe.

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Dass die ganzen Windmühlen mitten im Feld der Erdölpumpen stehen, hat bestimmt nur damit zu tun, dass hier Wind weht. Leider stehen heute zufällig die meisten der Generatoren still. Hier weht wohl ein anderer Wind. Zumindest hats die Energie nicht weit bis zu den Pumpen. Dort wird sie nämlich gebraucht.

Schickt uns einen Don Quixote. Wir brauchen Visionen für moderne Windmühlenkämpfer.